Briefing: Einordnung der Vergabe des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2025 an Oikocredit
𝗗𝗲𝗿 Deutscher Nachhaltigkeitspreis 𝗳ü𝗿 Oikocredit 𝘄𝗶𝗿𝗳𝘁 𝘄𝗶𝗰𝗵𝘁𝗶𝗴𝗲 𝗙𝗿𝗮𝗴𝗲𝗻 𝗮𝘂𝗳: Kann die Finanzierung von Mikrofinanzorganisationen, die in übersättigten Märkten wie Indien oder Kambodscha zur Überschuldung beitragen und teilweise Zinssätze von über 50 % – in Einzelfällen sogar über 200 % – erheben, wirklich als „wegweisender Beitrag zur Transformation in eine nachhaltige Zukunft“ gelten?
Eine Auszeichnung kann keine differenzierte Analyse ersetzen. Genau diese ist notwendig, wenn wir über nachhaltige Entwicklung sprechen. Dazu möchte das Briefing beitragen. Es beleuchtet Oikocredits Schwerpunktbereich finanzielle Inklusion (77 % des Portfolios) – und zeigt Risiken, die in der aktuellen Diskussion kaum vorkommen:
🔴 Ü𝗯𝗲𝗿𝘀𝗰𝗵𝘂𝗹𝗱𝘂𝗻𝗴 & 𝗮𝗴𝗴𝗿𝗲𝘀𝘀𝗶𝘃𝗲 𝗞𝗿𝗲𝗱𝗶𝘁𝘃𝗲𝗿𝗴𝗮𝗯𝗲 sind im Kernmarkt Indien sowie in Kambodscha bei einigen Partnerorganisationen dokumentiert.
🔴 𝗦𝗲𝗵𝗿 𝗵𝗼𝗵𝗲 𝗲𝗳𝗳𝗲𝗸𝘁𝗶𝘃𝗲 𝗝𝗮𝗵𝗿𝗲𝘀𝘇𝗶𝗻𝘀𝗲𝗻: Einige Partner verlangen über 50%, in zwei Fällen auch über 200%.
🔴 𝗚𝗲𝗿𝗶𝗻𝗴𝗲 𝗧𝗿𝗮𝗻𝘀𝗽𝗮𝗿𝗲𝗻𝘇 bei Oikocredits Auswahl- und Ausschlusskriterien für die Partnerorganisationen.
🔴 𝗢𝗘𝗖𝗗-𝗕𝗲𝘀𝗰𝗵𝘄𝗲𝗿𝗱𝗲 𝗮𝗻𝗵ä𝗻𝗴𝗶𝗴: LICADHO, Equitable Cambodia und FIAN Deutschland werfen Oikocredit einen Verstoß gegen die OECD-Leitsätze im Zusammenhang mit Investitionen in Kambodscha vor.
🔴 𝗙𝗿𝗮𝗴𝗲𝗻 𝘇𝘂𝗿 𝘁𝗮𝘁𝘀ä𝗰𝗵𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗪𝗶𝗿𝗸𝘂𝗻𝗴: Oikocredits Wirkungsberichterstattung liefert wenig belastbare Hinweise auf einen systematischen Beitrag zu sozialer Entwicklung.
🔴 𝗚𝗿𝘂𝗻𝗱𝘀𝗮𝘁𝘇𝗳𝗿𝗮𝗴𝗲: Kann die Förderung kommerzieller Mikrofinanzorganisationen überhaupt den „wegweisenden Beitrag“ leisten, für den der Nachhaltigkeitspreis steht? Die Forschung findet bislang keine belastbaren Belege, dass Mikrokredite Armut zuverlässig reduzieren oder nachhaltige Entwicklung fördern.
Oikocredit hatte Gelegenheit zur Stellungnahme, sie ist dem Briefing beigefügt.